23. April – Welttag des Buches

Nachdem uns heute morgen schon Schulklassen aus ganz Segeberg zuströmten, um dem Kult um die Bücher zu huldigen, nutzen wir nun die mittlerweile eingekehrte Ruhe, um anlässlich des weltweit begangenen Feiertages „Welttag des Buches“ (23. April!) uns ein paar allgemeine Gedanken über den Sinn und Unsinn von Büchern auszulassen, die ja doch irgendwie auch immer „Language in a can“ – „Sprache in der Dose“ sind.

Also ist ein volles Bücherregal auch immer eine volle Vorratskammer. Konservierte Ewigkeitsnahrung. Die Geschichte der Entwicklung (oder sollte man das „Ent-“ streichen und nur von Wicklung sprechen, vielleicht von Verwicklung? – Kann man doch heutzutage kaum mehr von einer linearen und eschatologisch-teleologischen Entfaltung der Gesellschaft hin zur Utopie sprechen, einem Zeitmodell, welches allzu häufig Extremismus und Terror nach sich zieht, in der Form von Macht oder asymetrischer Kriegsführung), nein, sagen wir: Die Geschichte der Verwicklung von Zeit „at hand“ dem geneigten Acteur der Lettern, dem Leser, der sich seelenruhig mit Gedankengut von 1900, 1789 oder 2016 vergiftet, um mit den auszubrütenden Gedankenungetümen seine nähere und fernere Umwelt zu infizieren. Bücher sind gefährlich, verführerisch, trügerisch, Maskenball der Eitelkeiten, hoffend, unter der Behauptung von Wahrheiten die Welt in ihrem Bilde zu formen.

Aber Bücher sind ein Gift, welches sich kurieren lasset – mehr Bücher, noch weitere Horizonte – die engen Horizonte mit einbegriffen – die ganze Welt im Bücherregal – und zwar nicht von Alexander von Humboldt, dieser Ikone der Neugier, sondern von dir, Leser! Entsage nicht der vielfältigen Verführung durch die Buchstaben! Warum im Reihenhaus leben, wenn man ein gedankliches Versailles zu einem bürgerlich-erschwinglichen Preis von wenigen Euronen errichten kann? Denken Sie groß! Und vor allem: Viel! Bücher sind Dosennahrungen, die man mit anderen teilen kann und sollte! Globale Praxis des Ideentauschens, terrestrische Dialektik! Jeder mag diese „Campbells“, die jene ontologischen Plateaus darstellen, die Ebene der gemeinsamen „Commune globale“ (Pardon my French…!), nach der so viele Menschen heutzutage, im Angesichte ungeheurer globaler Wälzbewegungen, doch so sehr gelüstet.

Conservatives, Anarchists and Democrats alike:

Tauche, Leser, ein ins Leben – lies noch ein Buch!
Der Trend geht zur Zweitbibliothek!