Juliherzchen #3 – Bilqiss

Können Sie sich vorstellen, dass eine junge Frau statt eines Muezzins zum Morgengebet ruft? Nein? In diesem Roman erzählt Saphia Azzeddine die Geschichte der jungen Frau Bilqiss, die genau ebendies getan hat und nun mit den Konsequenzen leben muss; dazu gehört auch, sich in einer Zelle wiederzufinden, um auf die eigene Hinrichtung zu warten. Die Weltöffentlichkeit verfolgt gespannt den bizarren Fall; eine jüdische Journalistin will sogar eine Reportage über Bilqiss’ prekäre Situation machen…

Bilqiss

Saphia Azzeddine

Wagenbach

10,90 Euro

ISBN: 978-3-8031-2781-5

Wie irre muss man sein, um in einer Aubergine einen Phallus zu sehen und ihren Kauf nur zerstückelt zu erlauben? Das fragt Bilqiss, die widerspenstige Heldin dieses tragikomischen Romans. Man hat sie verurteilt, man hat sie verdammt, man wird sie steinigen. Bilqiss jedoch lässt sich den Mund nicht verbieten, sie verteidigt sich selbst vor dem überforderten Richter. Tags im Gerichtssaal, nachts in ihrer Zelle, wo er sie bald regelmäßig besucht. Rhetorisch geschickt und außerdem klug entlarvt sie die obszöne Fehlinterpretation des Korans und die scheinheilige Moral, erzwingt Tag um Tag den Aufschub ihrer Hinrichtung. Die Weltöffentlichkeit verfolgt das Ganze in Echtzeit, schon ziert das Antlitz der Angeklagten amerikanische Solidaritäts-Tassen. Eine jüdische Journalistin reist an, um sich selbst ein Bild und eine große Reportage über den Fall zu machen. Wütend, witzig und weise erzählt dieser Roman die Geschichte einer freien Frau in einem islamischen Land. Saphia Azzeddine schreibt mit viel Ironie und leichter Hand, dabei ist es ihr bitter ernst. Bilqiss wird sich nicht beugen, nicht um Verzeihung bitten. Und schließlich wird das Urteil gesprochen.