Kreuz und Lynchbaum

Kreuz und Lynchbaum

Vor einer Woche hat unser Azubi Till einen großartigen Thementisch zu #blacklivesmatter gemacht 👍🏿
Kurz darauf wurden wir von unserer langjährigen Kundin Ursula Sieg angesprochen, ob auf dem Tisch nicht noch Platz für das Buch „Kreuz und Lynchbaum“ wäre, welches sie gerade übersetzt hat. Und da wir sowas immer gerne unterstützen möchten, haben wir sofort zugesagt, dass sich sicherlich noch Platz dafür finden würde. Wer sich also für den Titel interessiert, wird bei uns fündig.

Zur Erläuterung lassen wir am besten Frau Sieg persönlich ein paar Zeilen schreiben:

 

In den USA wurde die Sklaverei durch das Lynchen Schwarzer als Mittel der Unterdrückung ersetzt. Bis ca. 1940 in der Zeit des Jim Crow hat weißer Mob schwarze Männer, Frauen und sogar Kinder unter vorgeschobenen Gründen, ohne rechtlichen Rahmen mit Duldung oder aktiver Beteiligung der Behörden und Kirchen gefoltert, gehängt und verbrannt. Der gewünschte Effekt war, Schwarze von der Nutzung ihres Wahlrechtes, ihrer Bürgerrechte, ihrer wirtschaftlichen Chancen abzuhalten. Dagegen wehrten sich Schwarze mit Anti-Lynchkampagnen, die forderten, Schwarze als wertvolle Mitglieder der US-Gesellschaft anzuerkennen und vor Mord durch Lynchen zu schützen – die gleichen Ziele wie Black Lives Matter. Es sind immer noch die gleichen Probleme. Morde wie der an George Floyd werden daher „modernes Lynchen“ genannt und es wird seit zehn Jahren von einem New Jim Crow gesprochen. 

 
James H. Cone ist noch unter dem alten Jim Crow aufgewachsen, hat unter dem Eindruck von Lynchmorden an Jugendlichen gestanden, hat während der Bürgerrechtsbewegung Theologie studiert und hat die Wut angesichts der Ermordung von Martin Luther King Jr. in die Entwicklung einer unabhängigen Schwarzen Theologie gesteckt. Sein letztes theologisches Buch The Cross and the Lynching Tree, 2011 in den USA erschienen, beschreibt den durch das Lynchen auf Schwarze ausgeübten Terror und geht der Frage nach, woher Schwarze Kraft und Lebensmut nahmen, dem zu widerstehen. Neben dem Blues ist es ausgerechnet das von Weißen übernommene Christentum. Schwarze identifizieren die Lynchopfer mit Jesus Christus am Kreuz und behaupten damit den unermesslichen Wert ihres Lebens gegen den Versuche mit dem Menschen auch dessen Würde und Selbstachtung zu vernichten. Weiße Christen haben es dagegen damals nicht geschafft aus ihrem Glauben an den Gekreuzigten die Notwendigkeit der Solidarität mit Lynchopfern und des Kampfes gegen das Lynchen zu folgern. Das ist schließlich die Forderung von James Cone an alle weißen Christen. 
 
Seit dem Tod von Michael Brown 2014 greifen Schwarze auf „The Cross and The Lynching Tree“ zurück, um die erneute Lyncherfahrung zu diskutieren und zu interpretieren. Ursula Sieg ist im Internet auf diese Diskussionen gestoßen und hat sich entschlossen, das Buch zu übersetzen und in mutual blessing edition herauszugeben: